Leslie Schwartz als Zeitzeuge am Martinum

Bereits zum sechsten Mal war Leslie Schwartz, ein 86-jähriger jüdischer Überlebender von Auschwitz, als Zeitzeuge am Martinum zu Gast. Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 12 erzählte er von seinem erschütternden Schicksal und seinen Erlebnissen, wie er seine Familie im KZ verlor und selbst den „Mühldorfer Todeszug“ aus dem KZ Dachau im April 1945 überlebte.   

 

Es war sehr berührend, Leslie Schwartz in der Mediothek des Martinums zu erleben, wie er, ein feiner 87jähriger Herr, seine unglaubliche, kaum vorstellbare Geschichte erzählte. Manchmal glaubte man, den 14-jährigen Jungen vor sich zu haben, der alles in seinem Leben mit einem Mal verloren hat. So beginnt er seinen Vortrag mit der Frage, ob ein 14-Jähriger anwesend sei. Er hat, was einem Wunder gleicht, durch viele glückliche Zufälle und durch seinen enormen Lebenswillen die Zeit in Auschwitz und Dachau überlebt.

Seit sein Buch „Durch die Hölle von Auschwitz und Dachau. Ein Junge erkämpft sein Überleben“ 2007 erst auf Dänisch, dann 2010 auf Deutsch erschienen ist, begann für ihn wie er es nennt »the most unbelievable time« seines Lebens. Seitdem sucht er immer wieder das Gespräch mit jungen Leuten und ist überwältigt, so auch am Donnerstag am Martinum.

Kaum hatte er in der Mediothek Platz genommen, herrschte absolute Aufmerksamkeit und diese hielt bis zum Ende seines 1 1/2stündigen Vortrags an.

In seiner Einführung wies Leslie Schwartz engagiert darauf hin, wie wichtig es gerade auch heute sei, Toleranz zu üben. Seine Lebensaufgabe sei es, als Zeitzeuge junge Menschen dafür zu sensibilisieren, wohin Fremdenfeindlichkeit und Rassismus führen können. Aber auch ein sehr persönliches Ziel führte er an: seine eigene Heilung und Versöhnung. Das Gespräch und der Kontakt mit den Jugendlichen gebe ihm seine eigene Kindheit ein Stück weit zurück und trage zu seiner Heilung bei.

Die Schülerinnen und Schüler waren nach diesem Kontakt tief beeindruckt. Einige bedankten sich noch einmal ausdrücklich. In einem Gespräch mit einem Schüler mit iranischen Wurzeln fragte er, ob dieser wisse, dass der Schah von Persien vielen Juden zurzeit des Dritten Reiches Schutz gewährte. Er selber habe dies in einem persönlichen Gespräch mit dem Schah erfahren.

Nach dem Vortrag war für Leslie Schwartz noch nicht Schluss. Neugierige Schülerinnen und Schüler aus einer 7. Klasse hatten sich vor dem Lehrereingang versammelt und wollten ihn sehen. Gerne war er zu einem Foto mit ihnen bereit.
Im nächsten Jahr soll ein Spielfilm über das Leben von Leslie Schwartz, der in diesem Jahr in den USA in die Kinos kommt, auch in Deutschland zu sehen sein.