„Heldenangst“ im Theater Münster

Am Dienstag, den 3. Juli 2018 machten sich einige Schülerinnen und Schüler des Französisch- und Geschichtsleistungskurses sowie Frau Lacroix, Frau Weber und Frau Hillmann auf den Weg in das Theater Münster. Alle waren voller Vorfreude auf das Theaterstück „Heldenangst“, einer Inszenierung des französischen Antikriegsromans La Peur (1930) von Gabriel Chevallier, der von den Erfahrungen eines jungen Franzosen in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs berichtet. Im Unterricht beschäftigten wir uns bereits intensiv mit den deutsch-französischen Beziehungen – von der „Erbfeindschaft“ zur Aussöhnung – und waren somit sehr gespannt auf die Darstellung der Erfahrung des Krieges auf der Bühne. Es handelt sich um ein zweisprachiges Bühnenstück, wobei die Rolle des Protagonisten Jean Dartemont mit einem französischen (Charles Morillon) und einem deutschen Schauspieler (Joachim Foerster) besetzt wurde. Für die Schülerinnen des Geschichtsleistungskurses bestand die Möglichkeit, den französischen Text auf einer Wand projiziert auf Deutsch zu verfolgen. Hauptsächlich dreht sich die Handlung um das Gefühl einer grenzenlosen und schonungslos präsentierten Angst, die den Protagonisten, der 1914 als Soldat in den Krieg gegen Deutschland zieht und mehrere Jahre in den Schützengräben Frankreichs verbringt, einnimmt.

Das gesamte Publikum war begeistert von der eindrucksvollen schauspielerischen Leistung der beiden Darsteller, die deutlich machten, wie schrecklich und aus heutiger Sicht unvorstellbar der Alltag eines Soldaten während des Krieges war. Im Anschluss an das Theaterstück waren wir uns alle einig, dass uns besonders eine Szene in Erinnerung bleiben wird: Der junge Soldat Jean Dartemont richtet sein geladenes Gewehr auf einen schwarzen Schmetterling, mit der Absicht, ihn töten. Er zielt dabei jedoch nicht auf einen echten Schmetterling, sondern in seinen Augen betrachtet auf sein Herz. Das Symbol des Schmetterlings als Herz ist vielfältig und umfasst viele Facetten der Gefühle des Soldaten. Die Raupe, aus der der Schmetterling entsteht, illustriert die Situation vor dem Krieg. Man kann diese mit der Sicherheit und dem Schutz innerhalb des Kokons vergleichen. Mit dem Schuss auf den Schmetterling tötet der Soldat sein Herz und veranschaulicht die Qual sich leblos zu fühlen, aber dennoch lebendig zu sein.

Auch ein Zitat aus dem Theaterstück werden wir nicht vergessen: „La patrie, c‘est la terre.“ Das Zitat verdeutlicht die Absurdität und Sinnlosigkeit eines Krieges, in dem sich eine Generation junger Soldaten für ihr Vaterland aufopferte. Denn das ‚Vaterland‘ (la patrie), das die Menschen aller Nationen eint, ist die Erde (la terre) – ein Ort des Zusammenlebens. Das Zitat kann als Aufforderung an alle Länder verstanden werden, Rivalitäten zu vermeiden und den Zusammenhalt zu stärken.

Unser persönliches Resümee ist, dass sich das Theaterstück sehr gelohnt hat und wir unser Wissen über den Krieg und die damit verbundenen schrecklichen Erfahrungen erweitern konnten. Außerdem wurde aufgezeigt, dass die deutsch-französische Freundschaft keine Selbstverständlichkeit ist, da beide Länder vor nicht allzu langer Zeit noch verfeindete Konkurrenten waren.

Alors – une pièce de théâtre inoubliable! – Ein unvergessliches Theaterstück!