Digitales Zeitzeugengespräch: Sally Perel zu Gast im Geschichts-LK

Corona verbinden die meisten Menschen mit negativen Erfahrungen und Einschränkungen. Einen positiven Effekt konnte jetzt aber der Geschichts-LK erfahren. Dadurch dass Herr Perel durch die Coronabeschränkungen nicht wie geplant mit einer Münsteraner Schule ein Gespräch führen konnte, wurde das digitale Zeitzeugengespräch nun auch für andere Schulen geöffnet, sodass der Geschichts-LK des Martinum an der Zoom-Konferenz teilnehmen durfte.

Sally Perel ist beachtliche 95 Jahre alt und hat den Holocaust überlebt. Heute lebt er in Israel, von wo aus er zugeschaltet war. Seine Biografie ist beachtenswert und wahrscheinlich einmalig. Bekannt ist sie durch sein Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon“ oder dessen Verfilmung. Als jüdischer Junge musste Sally Perel zunächst vor den Nazis aus seiner Heimatstadt Peine Richtung Osten fliehen. Mit dem Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion wurde er von der Wehrmacht aufgegriffen und in einer Einheit aufgenommen. Jeden Tag befürchtete er, von den Nazis als Jude erkannt und getötet zu werden. Aus dem Kriegsgeschehen heraus wurde Sally an die Hitlerjungen-Schule nach Braunschweig geschickt. Auch hier lebte er täglich in der Angst vor Entdeckung bis zur Niederlage Nazi-Deutschlands. In dieser Zeit wurde er trotz seiner jüdischen Herkunft sehr durch die Ideologie und Indoktrination in der Hitlerjugend geprägt. Durch seine Erzählungen ist den Schüler*innen der Zwiespalt, den er bis heute in sich spürt, bewusst geworden. So sei er sein eigener Feind geworden und Opfer und Täter zugleich gewesen, wie er eindrücklich schilderte. Auch macht Perel sein Anliegen deutlich, von seinen Erlebnissen zu erzählen. Er ist sich der Tatsache bewusst, dass er zu den letzten lebenden Zeitzeugen des Holocaust gehört und möchte die Jugendlichen, die ihm zuhören zu Z(w)eitzeugen machen. Er richtet den direkten Appell an sie, über die Geschehnisse während des Nationalsozialismus zu berichten, damit so etwas nie wieder geschehen kann.

Zeitzeugengespräch

Organisiert wurde dieses Zeitzeugengespräch durch die Johannes-Gutenberg-Realschule in Münster-Hiltrup und unterstützt von der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Friedensbüro Münster und dem Jugend- und Bildungswerk des Evangelischen Kirchenkreises Münster.

Wir sind sehr dankbar, dass wir an diesen eindrucksvollen Erzählungen teilhaben durften.