Q2 Schüler*innen auf Spurensuche in Berlin

Schüler*innen der Geschichtskurse der Jahrgangsstufe Q2 sind für drei Tage nach Berlin gefahren, um sich auf eine Spurensuche zum Leben in der DDR zu begeben. Die Fahrt wird als historisch-politisches Seminar des Franz-Hitze-Hauses Münster angeboten.

 

Das Seminar begann in Münster im Franz-Hitze-Haus mit Workshops, in denen sich die Schüler*innen mit Fallbeispielen von Jugendlichen beschäftigten, die sich zwischen Anpassung und Widerstand zum SED-Regime befanden. Die Schüler*innen mussten sich hier bspw. mit Dilemmata beschäftigen, etwa, ob eine Schülerin auf den Zugang zum Abitur verzichtet, um ihre Freundin nicht für die Stasi zu bespitzeln. Auch wurden hoch aktuelle Fragen diskutiert, z.B.: „Besteht eine Teilung in den Köpfen der Menschen in Ost und West?“, die im Kontext der aktuellen Wahlergebnisse zunehmend diskutiert wird.

Nach einer längeren Anreise mit der Bahn und prägenden Erfahrungen mit dem Bahnpersonal im Zug endete der Abend im Hostel in Friedrichshain.

Am nächsten Tag wurden zunächst die historischen Spuren in Friedrichshain erkundet. Hierzu gehört bspw. die East-Side-Gallery. Besonders interessant war hier auf der Rückseite die Installation „Beyond the wall“ des deutsch-amerikanischen Künstlers Stefan Roloff, die noch bis zum 9.11.17 zu sehen ist. Er präsentiert vergrößerte Videostills aus den 80er Jahren von Menschen in der Nähe des Todesstreifens in Verbindung mit Interviewausschnitten von Zeitzeugen, die Repressalien des DDR-Regimes erdulden mussten. Je näher man an den Bildern steht, desto verschwommener wirken sie. Je weiter man sie aus den Ferne betrachtet, desto schärfer und klarer sieht man die Bilder – diese Erfahrung ist auch auf das politische System der DDR zu beziehen. Die Ausstellung ist von besonderem Wert, da die East-Side-Gallery mittlerweile als Touristenattraktion gesehen wird und ihr historischer Kontext mit seiner Bedeutung dabei immer weniger Beachtung findet.

Anschließend besuchte die Gruppe das in Westberlin liegende Flüchtlingsnotaufnahmelager Marienfelde, in dem DDR-Flüchtlinge, die in den Westen kamen registriert und aufgenommen wurden. Die Schüler*innen wurden hier selbst zu Guides und bereiteten eine Führung durch die Ausstellung für ihre Mitschüler*innen vor. Beeindruckend waren hier Parallelen oder Vergleiche zur gegenwärtigen Flüchtlingslage. So reisten aus der DDR hauptsächlich Männer, allerdings dauerte das Aufnahmeverfahren höchstens 6 Wochen, wohingegen heute Geflüchtete oftmals über ein halbes Jahr auf die Bearbeitung ihres „Falls“ warten.

Höhepunkt war an diesem Abend das Gespräch mit der Zeitzeugin Bärbel Steffen, die 1964 geboren wurde und heute als Psychoanalytikerin arbeitet. Sie berichtete den Schüler*innen in einer sehr persönlichen und reflektierten Art von ihren Erfahrungen in der DDR, die sie auf Grund ihrer Zugehörigkeit zur katholischen Kirche machte.

Abgerundet wurde das Programm am Freitag vom Besuch der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße und dem „Tränenplalast“ am Bahnhof Friedrichstraße, bevor gegen späten Nachmittag die Rückreise nach Emsdetten angetreten wurde.

Den Schüler*innen wurde ein sehr umfangreiches Programm geboten, das zu ihrer historisch-politischen Bildung und Urteilskompetenz beigetragen hat, und wofür unser Dank den beiden Teamern des Franz-Hitze Hauses / der Villa ten Hompel Münster gilt.

 

Geschichtsexkursion