Weihnachtsrundbrief des Projekts Christopher

Liebe Freunde und Förderer des Projektes Christopher!

Ein ereignisreiches Jahr geht für unser Projekt zuende, über das ich Ihnen und Euch berichten und Rechenschaft ablegen möchte. Sehr viel Positives konnten wir durch unser gemeinsames Tun erreichen, aber auch Negatives will ich Ihnen nicht vorenthalten.

So begann das Jahr im Februar mit einem Paukenschlag: der Vorsitzendes des School Boards schrieb mir, dass der Schulleiter ihm nach zweijähriger Dienstzeit einen nach seiner Meinung gefälschten Vier-Jahres-Vertrag vorgelegt habe. Aus meiner E-Mail-Korrespondenz mit seinem Vorgänger, konnte ich ihm dies bestätigen; denn der Schulleiter, Mr. Tesha, besaß tatsächlich nur einen Zwei-Jahres-Vertrag. Der School Board hat daraufhin beschlossen, ihn fristlos zu entlassen. Unterschrieben war dieser Vertrag vom Vorsitzenden des alten Boards. Wer Verträge fälscht, hat möglicherweise andere negative Vorhaben im Sinn. Ich hatte in meinen letzten beiden Briefen sehr positiv über diesen Schulleiter be-richtet und seine ersten Aktivitäten, als auch die Bilanzen, bestätigten meine Annahme. Da der neue School Board einschließlich seines Vorsitzenden, dem Tierarzt Dr. Kimaka, nur wenig Informationen seitens des Schulleiters über die Prozesse in der Schule erhielten, entwickelte sich ein sehr gespanntes Verhältnis zwischen beiden. Die mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens des Schulleiters fiel uns natürlich nicht auf, da meine Korrespondenz weitestgehend über Tesha abgewickelt wurde, der mir gegenüber nur Positives zu berichten hatte. Sicherlich auch ein Fehler unsererseits, den wir inzwischen korrigiert haben. Kurzum: Mr. Tesha ist entlassen und die Schule hat einen neuen Leiter namens Achleus Maro, der in einem Auswahlverfahren durch den Schulboard ernannt wurde und nur einen Ein-Jahres-Vertrag erhalten hat, der entsprechend, bei guter Arbeit, verlängerbar ist. Er ist 60 Jahre alt und war in seiner letzten Position stellvertretender Schulleiter an einer technischen Schule. Er ist ein relativ ruhiger Typ, leistet aber nach Auskunft aller Beteiligten gute Arbeit. Seit diesem Wechsel ist ein sehr gutes Miteinander aller Beteiligten an der Schule zu spüren, es herrscht eine ganz andere Stimmung unter der Leitung, den Lehrern und den Schülern. Der Schulleiter, der Board, als auch die kirchlichen wie die politischen Institutionen arbeiten deutlich intensiver als Team zusammen im freien Austausch der Meinungen, was zuvor anscheinend nicht immer gegeben war und von uns aus der Ferne bisweilen schwer zu beurteilen war. Der neue Ortsbürgermeister, ein Rechtsanwalt namens Wilhad Kitaly, ist sehr häufig in unserer Schule präsent und wir werden ihn an seinen Taten messen, was er politisch für das MVTC bewirken kann. So haben wir vereinbart, dass sämtliche Korrespondenz zwischen Deutschland und Tansania allen Verantwortlichen als Verteiler per Mail zugestellt wird, um von vornherein Missverständnisse und Fehlentwicklungen auszuschließen. Diese Kommunikation und gegenseitige Kontrolle funktioniert inzwischen sehr gut.

Ich selber war im August für zwei Wochen in „unserer“ Schule und konnte mir vor Ort in vielen Gesprächen, Sitzungen und Terminen  eine Bild von der gegenwärtigen Situation machen. Ich bin selten so positiv beeindruckt wieder nach Hause gefahren, wie in diesem Jahr! Vieles hatte sich inzwischen verändert, wir haben einige Stellgrößen verändert und die Zukunftspläne manifestiert. Nun der Reihe nach:

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Der im letzten Jahr begonnene Bau der Viehställe ist abgeschlossen, das Vieh ist aufgestallt und die Produktion kann beginnen. So sind die 15 Schweine plus Eber, die fünf Ziegen plus Bock, die beiden trächtigen Kühe Frieda und Katrin (deutsche Namen, da sie von zwei Emsdettener Sponsoren gekauft werden konnten), als auch 200 Legehennen und 200 Masthähnchen ein guter Start zur Versorgung der Schüler. Die Tiere und tierischen Produkte dienen ebenso zum Verkauf, um die finanzielle Situation der Schule zum Bestreiten der laufenden Kosten zu verbessern. Dank einer großzügigen Spende für den Bau der Ställe, tragen diese nun den Namen der Stifterin.

Innerhalb des Containerhauses konnten nach Umbau und Renovierung in der ehemaligen Schlosserei ein besonders gesicherter Computerraum als auch eine kleine Bibliothek eingerichtet werden. Das Curriculum für die Handwerkerausbildung beinhaltet die Grundausbildung in der Informatik. Die Bücherei steht allen Schülern zur Verfügung, da viele sich die Lehrbücher und weitere Informationsschriften zur Ausbildung oft nicht leisten können.

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Die gute Maisernte dieses Jahres brachte ein Lagerungsproblem mit sich. In der Vergangenheit wurde der Mais in einem großen Tank innerhalb eines Containers gelagert. Nach fast 25 Jahren war dieser durch Rost undicht geworden, so dass Ungeziefer sich des Getreides bemächtigte und beträchtliche Verluste entstanden.  Nur ein neuer Tank konnte die Vorräte für das tägliche warme Mittagessen der über 100 Schüler Arbeiter und Angestellten schützen. So konnte sich die Schule dank unserer Spenden einen größeren  Tank für die Kornspeicherung kaufen.

Auf dem Schulgelände wurde bis in die letzten Jahre hinein eine kleine Baumschule gepflegt und unterhalten. Der Ertrag der verkauften Pflanzen reduzierte sich jedoch erheblich, da inzwischen an fast allen Ausfallstraßen der größeren Städte Baumschulen wie Pilze aus dem Boden schießen. Der Markt ist mit allgemeinen Baumschulprodukten gesättigt. Eine neue Idee brachte der Schulleiter ein, indem er vorschlug, es mit dem Anbau von Vanille zu probieren. Der Preis für Vanille ist in diesem Jahr auf dem Weltmarkt fast explodiert, nachdem es auf Madagaskar (produziert drei Viertel der Welternte) zu Missernten und Zerstörungen der Plantagen gekommen war. Vanille ist jedoch ein empfindliches Produkt in der Aufzucht, bei dem die orchideenartigen Blüten nur innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums blühen und künstlich bestäubt werden müssen. Außerdem ist der Fermentierungs- und Trocknungsprozess sehr aufwändig und zeitraubend. All diese Faktoren führen zu den hohen Preisen auf dem Markt. Da das MVTC den Verarbeitungsprozess nach der Ernte nicht leisten kann, haben wir eine Firma gewinnen können, die den Verantwortlichen den Anbau, die Beschaffung der Pflanzen, die Informationen und Anleitungen zur Pflege und Aufzucht kostenlos vermittelt und gleichzeitig die reifen Schoten zum jeweiligen Marktpreis abnimmt. Den entsprechenden Dünger stellen die Tiere bereit, so dass „wir“ sogar BioVanille erzeugen können. Der Acker ist mit den entsprechenden Rank-Gerüsten vorbereitet, die Pflanzen sind gesetzt, nun schauen wir einmal, wie nach drei Jahren die erste Ernte ausfallen wird. Es ist sicherlich ein Versuch, aber ebenfalls eine weitere Möglichkeit, die wir der Schule an die Hand geben, Gewinne zu erzielen, um die laufenden Kosten bestreiten zu können.

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Im Sinne dieses Zieles haben wir der Schule einen gebrauchten Fahrschulwagen finanziert, damit auf unserem Schulgelände eine Fahrschule etabliert. Die Nachfrage nach Möglichkeiten, den Führerschein zu erwerben, ist sehr groß. So ist es notwendig, sich stets erneut nach Möglichkeiten umzuschauen, wo das MVTC Kapital erwirtschaften kann. Wir verfahren dabei nach dem „Viertel-Prinzip“. Da wir vom Projekt Christopher die Investition übernehmen (Kauf des Autos), sind die Einnahmen zu einem Teil für die Bezahlung des Fahrlehrers (der Mann hat einen bezahlten Job) bestimmt, ein weiterer Anteil wird zurückgelegt für Reparatur- und Wartungskosten, der dritte Teilbetrag wird für Treibstoff und Versicherung benötigt und das letzte Viertel ist der Gewinn der Schule. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren alle „Geldbeschaffungsmaßnahmen“, die wir dem MVTC über unsere Investitionen im Laufe der Jahre ermöglicht haben und noch ermöglichen, wie zum Beispiel die Maismühlen, die Vermietung der Aula, der Verkauf von Trinkwasser, der Verkauf tierischer Produkte, vor allem der Verkauf von Produkten aus unseren Werkstätten und demnächst der Betrieb einer Kfz-Werkstatt sowie der Verkauf von Vanille.

Die Autoschlosser-Lehrlinge haben noch keine angemessene Werkstatt auf unserem Schulgelände, sie lernen und „schrauben“ in der alten, dunklen Nähwerkstatt, in der sie an einem Diesel- und Benzinmotor lernen und arbeiten können. Außerdem muss der Schul-Pickup  immer wieder herhalten, um einen Reifenwechsel oder z.B. den Tausch der Blattfedern zu erlernen. Eine Montagebühne steht ihnen dabei nicht zur Verfügung. Eine aufwändige und nicht immer ungefährliche Situation. Aus dem Grunde hat uns der School Board um den Neubau einer Kfz-Werkstatt angefragt, dieses Problem für die Zukunft zu beheben. In dieser Werkstatt sollen zwei Montagebühnen mit darunter liegenden Arbeitsgruben installiert werden und eine spezielle Montageecke für den Reifenservice. Ein Teil der Halle soll für den permanenten Betrieb einer Kfz-Werkstatt dienen, der andere soll für die Ausbildung reserviert sein. Wenn die Lehrlinge allerdings dem theoretischen Unterricht folgen, der in einer daneben liegenden Klasse abgehalten wird, kann auch die zweite Bühne für den gewerblichen Montagebetrieb genutzt werden. Dank Ihrer und Eurer Spenden sind wir in der Lage, dieses Gebäude zu finanzieren. Eine Win-Win-Situation für die Lehrlinge wie für den finanziellen Zugewinn des MVTC.

Weitere Zukunftsprojekte, die wir in den Diskussionen ins Auge gefasst haben, sind der Bau eines Mädcheninternats sowie die zusätzliche Ausbildung der Elektriker zu Solartechnikern. In der Stromerzeugung wird die Solartechnik die Zukunft  Afrikas sein; denn Sonne gibt es genug und gratis! Ein Internatsgebäude für die Mädchen wollen wir in der Finanzierung des nächsten Jahres angehen, da die weiblichen Lehrlinge, die in der Schule übernachten, zur Zeit einen Klassenraum der Elektrikerwerkstatt blockieren, den die Elektriker dringend für ihre Montagearbeit benötigen. Außerdem werden die Verantwortlichen der Schule einen neuen Lehrberuf an der Schule etablieren: den Landwirt. Da das MVTC nun auch Vieh zur Verfügung hat, kann dieser Unterrichtszweig auch in den Reigen der Ausbildungsberufe mit aufgenommen werden. Entsprechende Anträge bei der Kreishandwerkerschaft in Moshi sind bereits gestellt.

Sie sehen, an Zukunftsplänen besteht kein Mangel. Bis zum Ende des Jahres ist das MVTC in vollem Umfang in der Lage, sich selbst zu finanzieren. Das Projekt Christopher leistet nur noch die investiven Kosten, die Finanzen zum Unterhalt der Schule muss die Leitung der Schule selber erwirtschaften. Dies war in diesem Jahr meine Bedingung an das neue Team, um die Nachhaltigkeit unserer Unterstützung sicher zu stellen. Ich bekomme jetzt die monatliche Bilanz der Schule zugeschickt, um mit den Tansaniern stets über die finanzielle Situation informiert zu sein.

Unser gemeinsames Projekt wurde im November 40 Jahre alt, ein enorm langer Zeitraum, innerhalb dessen so unendlich viel geschehen ist, sowohl hier in Deutschland, als auch in Tansania. Wir haben dieses kleine Jubiläum mit einem Gottesdienst, den ein Priester aus der Gemeinde Mawella in Emsdetten zelebriert hat und einem Fotovortrag über die momentane Situation des MVTC gefeiert.

Wir sind sehr glücklich darüber, dass Sie uns die Treue halten und wir weiterhin auf Ihre Hilfe zählen dürfen. Unser Dank gilt selbstverständlich all denen, die sich in diesem Jahr in irgendeiner Weise für unser gemeinsames Projekt engagiert haben. Ich liste diesmal nicht alle Einzelinitiativen hier auf, sondern ich bitte Sie, fühlen Sie sich eingeschlossen in unseren Dank an alle, mit einem herzlichen „Vergelt's Gott!"

Euer und Ihr

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Download des Rückblicks "40 Jahre Projekt Christopher - Wie alles begann"

 

Ein Projekt der Pfarrgemeinde St. Pankratius in Emsdetten.
Spendenkonto Tansania:
Darlehnskasse im Bistum Münster
BIC: GENODEM1DKM
IBAN.: DE 644 006 026 500 034 438 00
www.projekt-christopher.de