Gedenkstättenfahrt der Klassen 9

Im Rahmen der Gedenkstättenfahrt setzten sich die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 mit verschiedenen historischen Orten in der Umgebung auseinander. Für die Klassen 9a und 9c ging es zur Wewelsburg, für die Schülerinnen und Schüler der 9b und 9d zur Steinwache nach Dortmund.

Fahrt zur Wewelsburg (Klasse 9a und 9c)

Ein Ort nationalsozialistischer Gigantomanie und gleichzeitig ein Ort ungeheuren Leidens ist die Wewelsburg in der Nähe von Paderborn, die vom ehemaligen Reichsführer der SS (Schutzstaffel), Heinrich Himmler, im Zeitraum von 1933 bis 1945 zu einem Zentrum nationalsozialistischer Ideologie und Versammlungsort der SS-Elite umfunktionalisiert werden sollte. Als Gedenkstätte und Erinnerungsort war die Wewelsburg das Ziel von zwei neunten Klassen des Martinums.

Vor Ort erhielten beide Klassen eine Führung durch die Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“. Beginnend mit einer thematischen Einführung über die Rolle der SS im nationalsozialistischen Regime, erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler im Anschluss eigenständig sowohl die persönlichen Hintergründe und Karrieren der vor Ort wirkenden SS-Männer als auch die Lebenswege und Erfahrungen der Menschen, die für Heinrich Himmlers Umbaupläne mit der Wewelsburg in einem dafür eigens errichteten Konzentrationslager Niederhagen-Wewelsburg arbeiten, leiden und in mindestens 1.229 Fällen ihr Leben lassen mussten.

Im Rahmen der circa 3,5 Stunden dauernden Führung wurde außerdem der Umgang der Gedenkstätte mit Besuchern aus rechtsextremen Kreisen, die die Wewelsburg aufgrund ihrer ideologischen Bedeutung besuchen, thematisiert und wie man diese Menschen z.B. anhand ihrer Kleidung und bestimmter Symbole von vornherein erkennen kann. Ein Gang zum zehn Gehminuten entfernten Mahnmal zur Erinnerung an die Verstorbenen des zur Wewelsburg gehörigen Konzentrationslagers Niederhagen vermittelte einen Eindruck des Umgangs mit der nationalsozialistischen Geschichte des Ortes in der Nachkriegszeit.

Große Einigkeit herrschte im Nachhinein darüber, dass die Begegnung mit dem historischen Ort einen besonderen Reiz und ganz andere Perspektiven für die Auseinandersetzung mit der Geschichte bot als das Klassenzimmer.

(Text: N. Keller)

Gedenkstättenfahrt

Gedenkstättenfahrt Gedenkstättenfahrt
 

Fahrt zur Steinwache nach Dortmund (Klasse 9b und 9d)

Am Dienstag, dem 17.04.2018 fuhren die Klassen 9b und 9d gemeinsam zur Steinwache nach Dortmund. Dort bekamen die beiden Klassen eine Führung durch das ehemalige Gefängnis der Weimarer Republik, welches in der NS-Zeit unter den Gefangenen als "Hölle Westdeutschlands" bezeichnet wurde. Die Gestapo nutzte dieses Gefängnis, um politische Gegner des NS-Regimes oder Zwangsarbeiter, die bspw. gefangen genommen wurden, weil sie nach Meinung der Nazis nicht schnell genug arbeiteten, zu inhaftieren. Bei der Führung durch die Ausstellung zum Thema "Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933-1945“ wurde den Schülerinnen und Schülern der Aufenthalt und die Zeit im Gefängnis genau erklärt und veranschaulicht. Die Klassen wurden durch die ehemaligen Zellen, in denen viele Gefangene auf engstem Raum leben mussten und gefoltert wurden, geführt. Besonders eindrücklich war die Zelle 19, eine Isolierungszelle, die bei den Häftlingen als „Fertigmachzelle“ oder „Mörderzelle“ bekannt war. Sie sollte dazu dienen, die Persönlichkeit der Häftlinge zu brechen. Neben dieser Zelle war besonders die Folterzelle eindrücklich, wo heute Zeitzeugenberichte ausgestellt sind, die die grausamen Taten in diesem Raum schildern.

Nach ca. 1,5 Stunden durften die Schülerinnen und Schüler die Gedenkstätte selber erkunden und sich unter anderem die Wahlplakate der verschiedenen Parteien der dreißiger Jahre, die Foltermethoden und die unterschiedlichen Zellen genauer anschauen. Nach dieser Erkundung hatten die Schülerinnen und Schüler noch Zeit, um in Dortmund Mittag zu essen. Um ca. 14.00 Uhr ging es dann zurück nach Emsdetten.
Zusammenfassend war die Exkursion für alle Schülerinnen und Schüler sehr interessant. Durch die biographische Ausrichtung der Ausstellung und der dadurch kennengelernten Einzelschicksale sind die Themen, die im Unterricht behandelt werden, greifbarer geworden.

(Text: Jula Berghus, Marit Roeder, Lucia Groth, Anna Kaminsky, D. Hillmann)

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