„BEST OF... – Am I No. 1 or No 1?“ - Ein Stück über Wünsche, Erwartungen und Zukunftsvisionen

Zum ersten Mal hat der Literaturkurs ein Stück selbst verfasst und auf die Bühne gebracht. In den vorherigen Jahren waren es verschiedene Kurzbeiträge in Form von Essays, Filmen und Theatersequenzen oder auch eine Neuinszenierung von Arthur Millers Hexenjagd.

 

Am Freitag, den 23.06.2017, versammelten sich nun viele Neugierige in der Aula des Gymnasiums Martinum, um zu sehen, was der Literaturkurs zum Thema „Wünsche, Erwartungen und Zukunftsvisionen“ inszeniert hat, musikalisch untermalt von Yannik Wolters am Klavier.

Vordergründig geht es um einen 17-jährigen Jungen namens Felix, kurz vor dem Abitur, der sich einem zu hohen Leistungsdruck ausgesetzt fühlt. Man stelle sich vor, dass er vielleicht gar nichts „dafür kann“, nicht die von seinen Eltern gewünschte Bestleistung zu erbringen. Man stelle sich auch vor, seine Eltern hätten ihn bei einem Forschungsinstitut „Simply the Best“ bestellt. Und man stelle sich weiterhin vor, dass diesen Forschern Fehler in der gentechnischen Konfiguration unterlaufen sind: besonders im Bereich der Intelligenz. So könnte man sich doch Felix' vermeintliches Scheitern erklären...

Literaturkurs Literaturkurs Literaturkurs

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Das Stück besteht aus neun Szenen, die dem Zuschauer Raum für Interpretation lassen: Was ist real? Was ist fiktiv? Traum oder Wirklichkeit? Ein Gedankenexperiment.

Denn hintergründig geht es um mehr als „nur“ Leistungsdruck. Es geht darum, ob „gesünder, schlauer und schöner“ immer gleich „besser“ ist. Eine sehr alte und höchst aktuelle Fragestellung zugleich. Denn in der Gentechnik (mithilfe der Methode CRISPR-Cas) scheint immer mehr möglich zu werden bzw. schon zu sein, ganz einfach formuliert: Kranke Gene können (technisch betrachtet) aus dem Erbgut eines Menschen herausgeschnitten und durch heile ersetzt werden; allerdings lässt sich noch nicht ausschließen, dass die Genschere an einer falschen Stelle schneidet (wie bei Felix). – Und ethisch betrachtet? Wie weit dürfen wir mit unserem Wunsch nach Optimierung gehen? Kann es irgendwann sogar dazu kommen, dass wir Abweichungen von der sogenannten Norm als nicht mehr „erwünscht“ betrachten? Ja, richtig, das erinnert Sie vielleicht an Brave New World (Aldous Huxley) oder an andere literarische, dystopische Gedankenexperimente. Und vielleicht ist Ihnen auch Erich Kästners Gedicht „Der synthetische Mensch“ aus dem Jahr 1932 (!) ein Begriff? Dort ist die Rede von einer „Menschenfabrik“ und von „Geburtsinstituten“, von „Sorten“, „Retorten“ und „misslungenen Aufträgen“, die zurückgenommen würden, z.B. im Falle von Dummheit oder Krankheit, von daher „für die Welt und die Eltern nicht recht zu verwenden“.

Literaturkurs Literaturkurs Literaturkurs

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Wer am Freitag zur Aufführung kam – viele Mitschüler, Eltern und Lehrer – , war begeistert: von der Inszenierung, einer gelungenen Mischung aus Ernsthaftigkeit, Witz und Überzeichnung, und der schauspielerischen Darstellung der 18 Schülerinnen und Schüler, die teils zum ersten Mal auf der Bühne standen. Und wer weiß... die so positive Rückmeldung, mit mehrfachem Szenenapplaus, mag vielleicht auch dazu führen, dass dies nicht das letzte Mal war: „Auf den Brettern, die die Welt bedeuten“ (Friedrich Schiller).