Peace’n’Poetry in der Herz-Jesu-Kirche

Angesichts von über hundert Schülern und Eltern, die am vergangenen Mittwochnachmittag der Einladung in die Herz-Jesu-Kirche gefolgt waren, machte sich bei den Mitwirkenden an der Aktion „Peace’n’Poetry“ dann doch eine gewisse Nervosität breit.

„Ursprünglich wollten wir das Katholikentagsmotto ‚Suche Frieden‘ in einem Poetry-Slam aufgreifen“, erzählt Schulseelsorger Markus Hachmann. Doch der Dichter-Wettstreit entwickelte sich aufgrund der Unterschiedlichkeit der Beiträge zu einer poetischen Stunde mit Musik, Friedenslyrik namhafter Autoren und Texten, die die Schülerinnen selbst verfasst hatten und vortrugen.

Zwanzig Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Martinum und der Geschwister-Scholl-Schule beteiligten sich an der Aktion. Ihre Beiträge gingen unter die Haut, erzählten, mal laut und kämpferisch, mal leise und mit nachdenklichen Tönen von Krieg und Frieden. Dabei verarbeiteten die Schülerinnen in ihren Texten auch eigene Erfahrungen, berichteten vom Krieg im eigenen Kopf, von den Schuldgefühlen, nichts ausrichten zu können am Zustand der Welt und dem Anspruch immer „perfekt, perfekt, perfekt!“ sein zu müssen. Eingerahmt wurden die poetischen Texte von Klaviermusik und Friedensbildern, die einige Schüler gemeinsam mit Kunstlehrer Hubertus Jelkmann erstellt hatten.

Markus Hachmann, der durch das Programm führte, dankte den Schülerinnen für ihre authentische Art und die hohe Emotionalität ihrer Texte: „Wir Seelsorgerinnen und Seelsorger können etwas von euch lernen. Schön, dass ihr heute mit euren Worten hier in der Kirche predigt!“. Obwohl „Peace’n’Poetry“ kein Gottesdienst war, kam ein Element der christlichen Liturgie vor: Die Zuhörer reichten ihrem Sitznachbarn die Hand und wünschten sich gegenseitig Frieden. Diese christliche Idee griff man gerne auf – ebenso wie das Motto des bevorstehenden Katholikentages: „Suche Frieden“.

Friedenslyrik

Hier einige der von den Schülerinnen des Martinums verfassten Texte:

Friedenslyrik

In einer Welt von Kämpfen und Kriegen,
geht es allen nur noch ums besiegen.
Wo ist der Frieden geblieben?

Jeder prahlt mit seiner Macht,
schon mal an die Anderen gedacht?
Der Hass erblüht in voller Pracht.

Glück wird von Angst und Schrecken vertrieben.
Jeder verstrickt sich in seinen Intrigen.
Wo ist der Frieden geblieben?

Terror und Anschläge sind im Alltag da,
jeder weiß sofort wer´s war,
doch ist das wirklich wahr?

Wir alle liegen in unseren Betten
Und denken, dass werden andere schon retten,
doch wir sollten aufhören darauf zu wetten.

Diskriminierung und Vorurteile nehmen heutzutage zu,
davon betroffen bist auch du,
darum schau nicht weiter zu.

Fang an, den Streit beiseite zu legen
und in Frieden zu leben.
Lass dein Leben nicht von Hass beleben.

Jeder trägt einen Teil dazu bei,
so geh hinaus und lebe frei.

Jule Schwarte, Q1

Kleiner Kiesel – nur ein Splitter

Wir sollen die Welt verändern?           
Wir müssen Krieg beenden, Streit schlichten.
Wir müssen handeln, aber
wir erzählen nur Geschichten!
Wir glauben an Freiheit, Liebe und Glück.
Wir wollen den Frieden, aber
wir bewegen uns kein Stück!

Wenn wir den menschlichen Verstand nutzen,
dann können wir lernen zu verstehen.
Wenn wir alle zusammen halten,
dann kann Frieden entstehen.

Die Welt, die Welt ist ein großer Ort
an dem wir lieben und hassen.
An dem wir unsere Träume, Ängste und Wünsche lassen.
Doch in dem Chaos treiben wir fort.
Ich träume von einem besseren Ort.

Ich dachte, den Traum kann ich nur träumen.
Doch ich stelle fest:
Wer nur träumt, der verpasst.
Der verpasst ein Stück Leben.
Der verpasst das, was das Leben
lebenswert macht.

Menschen sind wie Kieselsteine,
die alle zusammen eine Gemeinschaft ergeben.
Aber ist es nur der eine,
dann ist es ein Alleinleben.

Wir alle sind Menschen
und irgendwie nur menschlich.
Nutzen wir unseren Verstand nicht,
macht das die Welt unverständlich.

Die Welt ist wie ein zerbrochenes Glas
bestehend aus tausend Splittern.
Ich schneide mich an kleinen Splittern
und vergaß, dass woanders Menschen zittern,
deren Wunden viel größer sind.
Deren Kieselsteine um sie herum
einfach weggeblasen werden vom Wind.

Ich sehe es immer wieder.
Aber ich sehe keine Kraft,
die so stark ist wie der Wind
und die die Steine schwerer macht,
damit sie nicht verloren gehen.

Nichts, was die Splitter wieder zusammen klebt,
damit ein ganzes Glas Klarheit bringt
und jeden Menschen zum Lachen zwingt
und jeden Kieselstein belebt.

Wo kann ich den Frieden finden?
Wo muss ich suchen?
Muss ich jetzt etwa jeden Abend die Tageschau gucken,
um per Ausschlussverfahren festzustellen,
wo gerade Menschen
in viel zu komplizierten Konflikten
mit Maschinengewehren auf
unschuldige Menschen herab blicken?

Lass mich nicht allein!
Nein lass mich nicht allein!
Ich fühle mich so klein,
so klein in dieser großen Welt,
in der mich meine Ängste quälen
und meine Wünsche so unerreichbar sind.

Meine Wünsche, die über die Welt hinaus reichen
und die ich nicht greifen kann,
weil sie wie eine Fata Morgana zu sein scheinen.
Sie wirken so real, aber in meiner Qual,
in der ich eine Voodoo-Puppe bin,
sind sie das Verlangen nach Befreiung.

Ich kann und will den Anblick nicht ertragen,
kann aber keinen Schritt wagen,
weil Nadeln meinen Körper durchbohren
und mich am Boden festnageln.

Wer lässt mich nicht stehen?
Wer will die Bilder, die so weit weg sind,
greifbar und begreifbar machen
und wer will aus Maschinengewehren Geschenke
und aus unschuldigen Menschen
erfüllte Herzen machen?

Indra Feldhaus, Q1

Ich habe Krieg im Kopf
(obwohl ich Frieden möchte)

In mir herrscht Krieg.

Die Parteien?!

Gewissen, gegen Selbstliebe, gegen Selbsthass, gegen Selbstmitleid.

Dabei habe ich doch gar kein Recht dazu, wenn draußen der richtige Krieg herrscht.

Draußen heißt nicht hier drinnen, draußen ist dort, wo Leichen auf den Straßen liegen und Menschen Angst haben. Kinder erfrieren und Familien flüchten, Häuser zerbombt werden und Frauen sich durch Suizide vor Vergewaltigungen schützen.

Nicht hier!

„Ja ja, werd nicht emotional“ höre ich mich selber sagen, „du hast doch keine Ahnung!“

„Doch“, sage ich, „ich habe mich informiert und belesen. Habe Kriegsparteien ausgeforscht und Staatsbeziehungen untersucht. Habe Artikel studiert und mir die Meinung anderer angehört.

Aber ich verstehe immer noch nicht, ich habe keine Ahnung…“

Und dann fühle ich mich schuldig. Schuld bin ich an dem Tod tausender Menschen. Durch mein Unwissen, und mein Unverständnis und meine Ungläubigkeit und ich stehe für ein ganzes Land voller Unsicherheit und Undankbarkeit, für einen ganzen Kontinent gefüllt mit Unbarmherzigkeit – für den Westen.

Der Wilden Westen, der Waffen liefert, Unschuldige tötet und wegschaut. Vor allem wegschaut.

Aber ich bin doch nur ich, ein Mädchen, das vor 14 Jahren geboren wurde und gefüttert von der Mama und vom Papa Fahrradfahren gelernt hat. Sich das erste Mal verliebt hat und plötzlich seine eigenen Sorgen hatte. Irgendwann bin ich dann in die Welt gegangen und hatte Spaß, dabei hatte ich nie ein „Un-“ im Kopf, ich wollte doch nie etwas Böses...

Wie kann ich schuld sein? Ich bin nicht schuld!

Schuld an dem, was andere entschieden haben, Schuld an den kranken Dingen die Menschen tun. Schuld an den Machtverhältnissen, die lange vor mir existierten.

Schuld am Wegschauen.

Weil ich doch machen will, aber all das Wollen hilf nichts. All meine Gedanken, Träume und Wünsche werden nichts ändern.

Und außerdem helfe ich doch hier… Ich kümmre mich um Kinder und bringe ihnen Frieden bei.

Aber was haben die Menschen im Krieg davon, wenn ich hier Kindern Frieden beibringe?

Und in meinem Kopf herrscht Krieg

Die Parteien?!

Gewissen, gegen Selbstliebe, gegen Selbsthass, gegen Selbstmitleid gegenüber von flüchtenden Familien und Menschen die sterben.

Mich trifft die Schuld nicht.

Schließlich bin ich kein Politiker.

Entscheidungen, die ich treffe, haben keinerlei Bedeutung, sie verbessern nichts. Ich kann nichts besser oder schlimmer machen.

Ich bin auch kein Arzt.

Was auch immer ich tue hat keinen Einfluss, es hilft niemandem. Ich kann niemanden retten oder mit seinem Leiden alleine lassen.

Außerdem bin ich kein Journalist.

Meine Meinung hat keine Auswirkungen, sie ändert nichts. Ich kann keine Wahrheiten oder Lügen verbreiten.

Denn ich bin kein Politiker und kein Arzt, kein Journalist. Nur ich.

Ich fühle mich machtlos und schuldig. In mir herrscht Krieg.

Und ich würde gerne machen und nicht denken.

Weil: ich denke zu viel, meine Gedanken verheddern sich und rennen durcheinander. Überall brennt Feuer. Ich habe das Gefühl, mein Kopf explodiert. Manchmal höre ich Schreie. Meine Gedanken rammen einander und ich denke immer noch.

Krieg!

Ich bin kein Politiker und kein Arzt, kein Journalist. Nur ich.

Und ich fühle mich machtlos und schuldig. In mir herrscht Krieg.

Aber ich sterbe nicht im Krieg. Denn die Parteien heißen:

Gewissen, gegen Selbstliebe, gegen Selbsthass, gegen Selbstmitleid.

Und nicht:

Terroristen, gegen Menschen, gegen Regime.

„Vielleicht sollten wir alle Frieden schließen, nicht nur im Kleinen, sondern auch so im ganz Allgemeinen.“

Pauline Schmittwilken, 9d

Die Augen öffnen

Wenn ich meine Augen schließe,
Sehe ich eine Welt voller Frieden.
Ich sehe Hoffnung und Liebe.
Ich sehe Glück und Freude.
Ich sehe Zuversicht.

Doch ich schließe meine Augen nicht.
Ich öffne sie.
Ich sehe Wut und Trauer.
Ich sehe Bomben und Tod.
Ich sehe Verzweiflung.

Das, was ich sehe, ist schlecht.
Doch trotzdem darf ich meine Augen nicht verschließen.
Ich sehe das, was ich sehe,
Damit ich das, was ich sehe, verändern kann.

Doch wenn wir alle unsere Augen öffnen
Und wenn wir alle etwas ändern wollen,
Dann werden wir Veränderung sehen.
Wir werden Menschen sehen, die Frieden bringen.

Wir sehen Hoffnung und Liebe.
Wir sehen Glück und Zuversicht.
Wir sehen Zukunft.

Denn Frieden beginnt bei mir und dir!

Carla Beutgen & Laura Lehrig, Q1

Finde Frieden

Pfeifen. Knall. Sirenen. Feuer. Staub.
Lärm. Splitter. Schreie. Angst. Blut. Tod.

Ich bin nicht glücklich.
Ich bin auch nicht zufrieden,
Mit dieser Welt -
Mit euch, mit mir, mit uns.

Mit der Gier, der Dummheit,
Mit den Kriegen, der Gewalt.

Suche Frieden.
Aber wie finden wir ihn?
Dürfen wir Frieden erzwingen?
Aufzwingen?
Ist jeder Frieden Frieden?

Ist Frieden das Zufriedensein,
Ein Wohlfühlglück,
Die Sicherheit?

Oder die Abwesenheit von Krieg,
Der innere Frieden?

Manche finden ihn in der Natur,
Oder im Glauben -
Der Hoffnung auf mehr als nur die Welt.

Manche in der Musik,
Der Kunst,
Der Liebe.

Manche suchen ihr Leben lang -
Auf Kreuzfahrtschiffen im Pazifik,
Golfplätzen,
Hohen Bergen, den Tiefen ihrer selbst

Warum ist Frieden so wichtig?
Ein Lebensziel,
Vielleicht das einzige Ziel überhaupt.
Für uns selbst - für die Welt.

Suche Frieden.
Denn ohne Frieden ist alles nichts.

Suche Frieden.
Aber suche ihn nicht nur – finde ihn – bringe ihn!

Denn Frieden entsteht nicht dadurch, dass man tatenlos zusieht,
Was mit der Welt geschieht.

Imke Daum, Q1

Friedenslyrik