Das Stück wurde nach wochenlangen Proben das erste Mal vor mehreren Grundschulklassen vorgeführt. Dann ein weiteres Mal vor Grundschulkindern und dann gab es zwei Wochenend-Aufführungen. Diese liefen mit großem Erfolg. Ein schönes Wochenendprogramm boten der Unterstufenchor und die Theater-AG der Unterstufe an. Jeweils mit einer Pause wurde das Stück an einem Samstag- und einem Sonntagnachmittag gezeigt. Die Regie teilten sich Frau Hardebusch, Frau Ahillen und Herr Beiske. Für das Orchester war Herr Hellner zuständig. Außerdem hatten wir Unterstützung aus dem Stadttheater Münster bekommen, und zwar von Frau Tarau, die ebenfalls als Regisseurin tätig war und uns professionelle und hilfreiche Tipps gab. Für Ton und Bild war Herr Twickler verantwortlich. Damit wir auch ein schönes Bühnenbild hatten, bekamen wir künstlerische Unterstützung von Herrn Gährken.
Zunächst einmal muss ich euch berichten, wie die ganze Geschichte anfing.
Dorothy lebt mit ihrer Tante Em, ihrem Onkel Henry und ihrem Hund Toto auf einer Farm in Kansas. Eines Tages sucht ein heftiger Wirbelsturm die Region heim und Dorothy schafft es nicht, rechtzeitig mit Toto den Sturmkeller aufzufinden. Der Sturm reißt die beiden mit sich.
Nach langer Reise lässt der Wind nach und Dorothy landet unsanft auf einer Gestalt. Sofort kommen viele Mampher angestürmt, die das kleine Mädchen feiern. Dorothy weiß zunächst einmal überhaupt nicht, was los sein soll, und schaut den tanzenden Mamphern zu.
Als sie fragt, weshalb denn alle so glücklich seien, erfährt sie, dass sie auf Karga, der bösen Hexe des Ostens, gelandet ist und sie somit erledigt hat. Dorothy ist ganz erschüttert darüber, dass sie jemandem etwas angetan haben soll, und so entschuldigt sie sich noch. Drüpsdrü, die gute Hexe des Nordens, die ebenfalls mitgefeiert hat, kann darüber nur lachen und erklärt, dass Dorothy mit ihrer unfreiwilligen Landung das Land von großem Unheil befreit hat. Drüpsdrü hält Dorothy ein Paar rote Schuhe hin; sie will sie dem kleinen Mädchen schenken. Sie habe die Schuhe verdient, da sie Karga getötet habe. Aber Dorothy lehnt ab. Sie sei bis jetzt auch gut ohne Schuhe ausgekommen. Aber die gute Hexe erklärt, dass die Schuhe Zauberkräfte hätten und Dorothy sie deshalb gut gebrauchen könne. Unentschlossen nimmt Dorothy die Schuhe schließlich an und fragt, ob Drüpsdrü ihr nicht den Weg zurück nach Kansas erklären könne. Doch diese winkt ab und erzählt von dem großen Zauberer von Oz. Nur er könne die kleine Dorothy zurück in ihre Heimat bringen. Sie solle einfach nur dem gelben Weg folgen. Irgendwann würde sie in der Smaragdstadt ankommen und dort würde sie auch den großen Oz finden.
Also zieht Dorothy gemeinsam mit ihrem Hund Toto los. Immer dem gelben Weg entlang, dem gelben Weg entlang und immer weiter. Nach einiger Zeit gelangt sie auf ein Feld, auf dem eine Vogelscheuche ihren Platz gefunden hat. Sie wechseln ein paar Worte miteinander und die Vogelscheuche erklärt, wie gerne sie doch Hirn und Verstand hätte… so etwas vermisse sie in ihrem Strohkopf. Dorothy erzählt der Vogelscheuche ihre Geschichte und lädt sie ein, mit zu Oz zu kommen. Dieser könne bestimmt auch ihr helfen.
Dorothy hilft der Vogelscheuche, den Stab, der sie festhält, raus zu bekommen. Jetzt kann sie normal laufen und begleitet das kleine Mädchen.
Dorothy und Toto, aber auch die Vogelscheuche bekommen nach einiger Zeit Hunger. So suchen sie eine Wiese mit Fruchtbäumen auf und versuchen ein paar Früchte zu ergattern. Doch die Bäume verweigern das Pflücken von ihren Früchten. Mit Hilfe einer pfiffigen Idee der Vogelscheuche tricksen die drei Freunde die Bäume aus. So stillen sie ihren Hunger also doch noch mit den köstlichen Früchten.
Dann entdecken sie eine rostige Figur, die krächzt und krächzt. Zunächst einmal verstehen die drei überhaupt nicht, was die Figur ihnen sagen will. Aber dann entdecken sie eine Ölkanne am Gürtel der Figur. Dorothy gießt ein wenig Öl über das verrostete Blech der starren Figur und so kann sie sich wieder bewegen. Die Figur stellt sich als der „Blechmann“ vor und erklärt, dass er sehr lange geweint habe - wegen des fehlenden Herzens in der Brust - und somit verrostet sei. Er bedankt sich oftmals bei Dorothy und der Vogelscheuche für die Rettung.
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Dann fällt ihm wieder ein, dass er ja so traurig ist, weil er kein Herz besitzt. Doch bevor er wieder anfangen kann zu weinen, stoppen ihn die anderen und Dorothy lädt den Blechmann ebenfalls ein, mit nach Oz zu gehen. Der große Zauberer würde auch ihm bestimmt helfen können. Da freut sich der Blechmann, er hält das für eine sehr gute Idee, so seinen Herzenswunsch erfüllt zu bekommen. Nun gehen sie zu viert weiter auf dem gelben Weg. Dorothy mit Toto, die Vogelscheuche und jetzt auch noch der Blechmann.
Sie verfolgen den Weg immer weiter und immer weiter, bis sie plötzlich total erschrecken. Ein Löwe baut sich vor ihnen auf und brüllt sie mit ohrenbetäubendem Löwengebrüll an! Als Dorothy, der Blechmann und die Vogelscheuche nach dem ersten Schreck auch anfangen zu schreien, wird der Löwe auf einmal ganz kleinlaut und bekommt Angst. Er fängt an zu weinen.
Dorothy, Toto und ihre neuen Freunde sind verwundert. Sie gehen auf den Löwen zu und fragen, was er denn habe. Der Löwe erklärt den Vieren, dass er überhaupt keinen echten Löwenmut habe und immer direkt Angst bekomme. Und schon wieder fängt er an zu weinen. Dorothy beruhigt ihn und lädt auch ihn ein, sich mit ihnen auf den Weg zur Smaragdstadt zu machen und dort den großen Zauberer von Oz um Hilfe zu bitten. Erst ist der Löwe etwas verwundert, von ihnen eingeladen zu werden. Aber dann entschließt er sich doch in einem Anflug von Mut mitzukommen. Denn zusammen mit Weggefährten hat man schon mal etwas mehr Mut.
Also ziehen sie gemeinsam los. Wie immer. Einfach den gelben Weg entlang. Zwischendurch begegnen sie immer wieder der bösen Hexe Massaka.
Diese will die roten Schuhe von Dorothy haben und droht den Fünfen immer wieder, ihnen etwas anzutun. Doch die Freunde lassen sich zunächst einmal nicht einschüchtern. Sie folgen dem gelben Pfad immer weiter, bis Dorothy auf einmal in der Ferne etwas smaragd-grün schimmern sieht. Die Smaragdstadt! Alle freuen sich sehr, denn der lange Weg hat sie sehr erschöpft.
Vor den Schlossmauern des großen Oz angelangt, werden Dorothy, Toto, die Vogelscheuche, der Blechmann und der Löwe von zwei Wachen zurück gehalten. Diese meinen, niemand habe jemals den Zauberer von Oz persönlich gesehen, also würden die Fünf auch keine Extra-Erlaubnis erhalten. Dorothy ist verzweifelt. Und nicht nur sie! Auch die anderen Vier sind enttäuscht. Sie versuchen verzweifelt die Wachen zu überreden, sie doch rein zu lassen. Diese gehen in das Schloss, um die Angelegenheit mit dem großen Oz zu besprechen. Nach einiger Zeit lassen die Wachen die fünf Freunde doch in das Schloss. Doch jeder von ihnen darf nur einzeln das Heim des großen Oz betreten.
Als erste ist Dorothy dran. Sie kommt in einen von Spiegeln besetzten Raum und schaut sich alles genau an. Da kommt auch schon der große Oz herein. Aber Moment mal, groß? Ein kleiner Mann tritt vor Dorothy und stellt sich als „DER GROSSE OZ“ vor. Das kleine Mädchen ist sehr verwundert. Neben dem Zauberer kommt sie sich nämlich auf einmal richtig groß vor. Trotz alledem erklärt sie dem Oz ihre Situation. Dieser weigert sich die Bitte, sie nach Hause zu bringen, sofort zu erfüllen. Erst will er eine Gegenleistung von ihr. Dorothy soll die böse Hexe Massaka töten und ihren Besen zu ihm bringen. Dann würde er ihr helfen, zurück nach Kansas zu gelangen. Dorothy verlässt verdattert den Raum des Oz und kehrt zurück zu ihren Freunden. In Kurzform erklärt sie, was der große Zauberer von ihr verlangt. Auch die Freunde sind verwundert.
Nun ist die Vogelscheuche dran und darf das Schloss betreten. Der Oz verlangt auch von ihr, die Hexe Massaka zu töten, bevor er ihr hilft. Auch von allen anderen verlangt er das Gleiche als Gegenleistung. Die Freunde sind verzweifelt. Wie sollen sie nur eine böse Hexe erledigen? Und dazu kommt noch, dass sie doch wirklich nicht die Richtigen für diese Aufgabe sind.
Die Dämmerung bricht ein und letztendlich wird es stockduster. Dorothy verliert den Durchblick und kann ihre Freunde nicht mehr erkennen. Sazifar, ein Helfer Massakas, zieht Dorothy mit all seiner Kraft in den Palast der bösen Massaka. Diese zaubert einen Kreis um Dorothy. Aus dem kann sie sich nicht raus bewegen und ist deshalb völlig verzweifelt. Da stürmen Toto, der Blechmann, die Vogelscheuche und der Löwe in den Palast; sie erschrecken über die Lage, in der sich Dorothy befindet! Zunächst einmal sind die vier ratlos, wie sie Dorothy wieder befreien können. Doch da kommt der „strohdummen“ Vogelscheuche die kluge Idee, den Zauberkreis wegzuschrubben.
Dies gelingt ihnen, Dorothy kommt wieder frei und sie freuen sich sehr. Aber – zu früh gefreut. Schon kommt die böse Hexe Massaka wieder in den Raum und will sich direkt auf Dorothy stürzen. Doch die Vogelscheuche beschützt das kleine Mädchen und stellt sich vor sie. Massaka lacht nur und droht, dass sie die Vogelscheuche zuerst erledigen würde. Sie zieht ein Feuerzeug aus ihrer Tasche und geht auf die Strohgestalt zu. Die anderen Freunde entdecken einen Eimer voller Wasser und reagieren schnell. Dorothy schüttet das Wasser über das Feuer, um es zu löschen und zielt dabei ein wenig ungenau. Neben dem Feuer trifft sie auch noch Massaka mit dem Wasserstrahl. Diese sinkt auf den Boden und erklärt mit ihren letzten Worten, dass Wasser ihr Tod sei.
Dorothy und Toto, die Vogelscheuche, der Blechmann und zu guter Letzt auch der Löwe sind sehr erleichtert. Sie entwenden der am Boden liegenden, toten Massaka ihren Besen und machen sich wieder auf den Weg zurück ins Smaragdschloss. Der große Oz, der ja eigentlich gar nicht so groß ist, sitzt auf gepackten Koffern und ist über den Besuch überrascht. Die Freunde geben ihm den Besen der bösen Hexe und verlangen, dass der große Zauberer nun auch ihre Wünsche erfüllt. Dieser jedoch erklärt ihnen, dass er in Wahrheit überhaupt nicht zaubern könne und er nur durch Zufall zum Zauberer von Oz ernannt worden sei. Dorothy, Toto und die anderen sind überrascht und traurig.
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Was sollen sie nun machen? Wo soll die Vogelscheuche nun ein Gehirn mit Verstand herkriegen und somit Wissen? Wo soll der Blechmann nun ein Herz herbekommen und lieben können? Wo soll der Löwe nun seinen Mut hernehmen und seine Pflicht als mutigstes aller Tiere erfüllen können? Und wie um alles in der Welt sollen Dorothy und Toto nun nach Hause kommen? Verzweiflung.
Doch da erklärt der große Nicht-Zauberer, dass er mit einem Heißluftballon abreisen werde. Da aber trotzdem jemand über Oz herrschen müsse, erklärt er die Vogelscheuche mit ihren gewitzten Einfallen, den Blechmann mit seinem sehnsuchtsvollen Herzen und den Löwen mit seinem Helfer-Mut zu dritt zu Herrschern von Oz.
Der Zauberer sagt den Freunden, jeder von ihnen habe längst die Fähigkeiten, die sie sich gewünscht hätten. Sie müssten sie nur entdecken, sie anerkennen und einfach immer wieder gebrauchen. Die Freunde freuen sich sehr und nun haben die drei auch ein Zuhause gefunden.
Nur Dorothy und Toto können sich nicht richtig freuen. Sie wollen zurück nach Kansas. Zu ihrem Zuhause. Der große Oz lädt sie ein, mit ihm zurück zu fahren. Da er mit einem Heißluftballon nach Omaha fliegt, seinem Zuhause. Das liegt in der Nähe von Kansas. Doch dann fliegt er ohne sie los. Dorothy und Toto bleiben zurück. Total verzweifelt!
Drüpsdrü ist es schließlich, die den beiden Todtraurigen den Weg nach Hause weist. Dorothy müsse nur ihre schönen roten Zauberschuhe richtig benutzen (und Toto dabei fest an der Hand halten), dann würde die Heimkehr schon gelingen. Und… es stimmt!
Zauberschnell kommen die beiden durch den richtigen Gebrauch der Schuhe heim. Zu Hause angekommen, freuen sich Tante Em und Onkel Henry sehr, ihre kleine Nichte wieder zu sehen. Diese erzählt ihnen schon aufgeregt, was sie erlebt hat in der kurzen Zeit.
Wenn man ein wenig über das Stück nachdenkt, fällt einem auf, dass die Freunde genau das gesucht haben, was ein Mensch zum Leben braucht.
- Das Wichtigste, ein Zuhause. Ohne das kann keiner leben. Jeder soll sich irgendwo zu Hause fühlen dürfen - und das ist auch gut so. Man muss wissen, wo man hingehört und wo nicht.
- Dann Verstand. Die Vogelscheuche stellt das ganz gut dar. Jeder braucht gesunden Menschenverstand, um jeden Tag Sachen zu entscheiden und Sachen zu verweigern. Um nachzudenken und um zu verstehen.
- Dann ein Herz. Jeder hat ein Herz, das das Gute weiß, und man sollte gut trainieren, wie man es einsetzt. Sich in andere Personen hinein zu versetzen, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Trotzdem ungeheuer wichtig! Ohne zu wissen, wie es anderen geht, kann man auch nicht leben. Immer wieder entscheidet man sich, etwas zu sagen oder es zu lassen. „Wenn ich das sage, wird er sauer“, solche Gedanken bewahren einen oft vor Streit o. ä.
- Dann Mut. Ohne Mut ist es ebenfalls fast unmöglich zu leben. Man muss den Mut haben, dem Anderen etwas offen ins Gesicht zu sagen, und den Mut haben, auf andere zuzugehen. Dieser Mut gehört zum Leben dazu.
- Und zum Schluss gibt es noch Toto in der Geschichte. Was macht der eigentlich da? Na ja, zunächst einmal ist es der Hund von Dorothy. Er ist da. Das ganze Theaterstück über. Er weicht nicht von ihrer Seite, das fällt auf. Aber Toto ist ja nicht einfach nur ein Hund. Er ist der beste Freund von Dorothy. Sie gehen zusammen durch Dick und Dünn; ihm erzählt Dorothy alles. Auch das ist eine Lebensnotwendigkeit. Jeder braucht jemandem, dem er einfach alles anvertrauen kann. Wenn es nicht die beste menschliche Freundin ist bzw. der beste menschliche Freund, kann es auch ein Tagebuch oder eine Puppe sein. Der beste Freund/ die beste Freundin kann fast alles sein. Aber eins ist klar, einen solchen Ansprechpartner zu haben ist lebenswichtig!
- (Und dass Mädchen wunderschöne Schuhe brauchen, um den Weg durch das Leben erfolgreich zu gehen, das weiß doch sowieso jeder, ohne lange nachdenken zu müssen. Oder etwa nicht? Wer das nicht sofort einsieht, der muss dann halt doch noch mal jemanden fragen, seine Mutter zum Beispiel, oder…)
Nach einigen Gedanken ist das Stück gar kein Kinderstück, sondern genauso gut ein Nachdenkstück für Erwachsene. Einfach für jeden. Man kann viele Gedanken daran verlieren und zeitaufwändige Überlegungen starten. Dieser Bericht soll etwas zu euren Gedanken beitragen.
Text: Janina Nienhaus, 06.02.2010; Fotos, dem Martinum zur Verfügung gestellt von: Frau Marzinik, 31.01.2010
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