„Mein Emsdetten“ – dank ehrenamtlicher Hilfe fühlen sich geflüchtete Kinder und Jugendliche wohl

So mancher Kollege hat sich zu Beginn des zweiten Halbjahres verwundert umgesehen: Ging da gerade tatsächlich der bereits pensionierte Musiklehrer durch das Lehrerzimmer? Richtig gesehen!

Seit dem letzten Jahr hat das Martinum geflüchtete Kinder und Jugendliche aufgenommen, um sie in der deutschen Sprache zu unterrichten und so den Grundstein für den weiteren Bildungsweg in Deutschland zu legen. Mittlerweile sind nicht nur mehr Kinder und Jugendliche dazugekommen, sodass unter der Leitung von Frau Lacroix eine internationale Vorbereitungsklasse gegründet werden konnte, sondern ebenso immer mehr freiwillige UnterstützerInnen, ohne die die Förderung längst nicht so gut funktionieren würde.

Am Martinum werden momentan sowohl geflüchtete Jugendliche auf den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 vorbereitet, als auch Kinder nicht-deutscher Herkunftssprache gefördert, die den Regelklassen in Jahrgang 5 und 6 zugeordnet sind. Sie alle haben einen Anspruch auf mindestens zehn Wochenstunden Deutschunterricht. Dank der Ehrenamtlichen kommen sie einerseits auf deutlich mehr Förderunterricht im Fach Deutsch, andererseits ist in vielen Stunden ein kleinerer Betreuungsschlüssel und damit individuelle(re) Förderung möglich.

Ende April 2016 gehen acht ehrenamtliche KollegInnen im Lehrerzimmer ein und aus – jede/r von ihnen mit einer anderen Aufgabe betraut, jede/r von ihnen wichtig. Viele von ihnen waren zuvor am Martinum beschäftigt, die meisten sind ehemalige, nun pensionierte LehrerInnen und so manche/r freut sich über das Wiedersehen.

Ehrenamtliche Hilfe

Gefragt nach ihrer Motivation gibt beispielsweise Frau Ströhmer an, über einen Flyer der „Ökumenischen Flüchtlingshilfe“ auf die Idee der ehrenamtlichen Unterstützung aufmerksam geworden zu sein. Der Kontakt zum Martinum sei dann über unseren Schulseelsorger Herrn Hachmann sowie Frau Glasmeier entstanden. Frau Ströhmer übt mit den Jugendlichen die deutsche Aussprache und das Lesen längerer Texte.

Ehrenamtliche Hilfe

Frau und Herr Leißing sorgen wiederum für die „mathematische Grundversorgung“ der Geflüchteten. Während Frau Leißing den 5.- und 6.-Klässlern die Grundrechenarten beibringt, unterstützt Herr Leißing an vier Schultagen die älteren Jugendlichen, um sie für den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 fit zu machen. Wie wichtig ihm dieses Anliegen ist, zeigt sich auch daran, dass man ihn samstagmorgens beim Rechnen mit den syrischen Jungs in der Stadtbibliothek treffen kann.

Herr Märtens ist für Frau Lacroix nicht minder eine große Hilfe, da er an zwei Schultagen die älteren Jugendlichen im Leseverstehen und Schreiben unterstützt. So kann im Klassenraum gleichzeitig mit den jüngeren SchülerInnen an altersspezifischen Themen gearbeitet werden.

Ehrenamtliche Hilfe

Herr Stöhr bildet die Jugendlichen im Fach Geschichte fort. Er bereitet in Absprache mit den Geschichte-Fachlehrerinnen auf den Geschichtsunterricht an der weiterführenden Schule vor.

Ehrenamtliche Hilfe

 

Herr Geburek begleitet die jüngeren SchülerInnen in Halbgruppen einmal wöchentlich zum Wortschatztraining an den Computern der Mediothek. Dies ermöglicht die vertiefende Arbeit an individuellen Schwierigkeiten der SchülerInnen, die im Klassenraum verbleiben.

Wenn „Ach, bitte gib mir doch das Lineal!“ aus dem Musikraum im A-Trakt ertönt, dann ist Herr Twickler im Hause, der sogar eigene Lieder komponiert, um den deutschen Wortschatz und die deutsche Sprachmelodie auf spielerisch-musikalische Weise greifbar zu machen. Die Melodien werden von den Kindern noch Tage später in den Pausen gesummt…  

Frau Savage wiederum hilft an vielen Nachmittagen einem syrischen Schüler der Jahrgangsstufe EF, dessen Schreibkompetenz nach nur wenigen Monaten in Deutschland bisher jeden Kollegen überwältigt hat.

Ehrenamtliche Hilfe Ehrenamtliche Hilfe

Ein großer Dank für all diese Hilfe sind natürlich die in der Kürze der Zeit schon merklich fortgeschrittenen Deutschkenntnisse der Kinder und Jugendlichen. Nicht weniger erfreut folgende Geschichte: Nachdem einer der Jugendlichen nach den Osterferien von einem Verwandtschaftsbesuch nach Emsdetten zurückgekehrt war, habe dieses sich angefühlt wie – O-Ton – „mein Emsdetten“. Sicherlich auch, weil er weiß, auf wen er hier zählen kann.

Herzlichen Dank für Eure und Ihre Hilfe!