Emsdettener Spuren in Amerika: Alois Brinkkötter präsentiert seine Forschungsergebnisse

Alles begann mit einer Handtasche auf dem Dachboden. Vor 20 Jahren fand die Mutter von Alois Brinkkötter darin einen sehr alten Brief. Es war ein Brief der Schwester seines Urgroßvaters, Maria Anna Josephina Leugers (geboren 1863 in Hörstel), die in die USA ausgewandert war.

Der Brief vom 25.05.1890 machte den Emsdettener neugierig, er recherchierte weiter. Aus dem Fund auf dem Dachboden wurden schließlich 25 Jahre Recherche und Nachforschungen in Internetforen und Archiven.

Am Freitag (18.11.2016) kehrte Brinkkötter auf die Einladung des Geschichtslehrers Herrn Peitz an seine ehemalige Schule zurück und erklärte seine Arbeit. Die Klasse 9b verlegte ihren Geschichtsunterricht dafür in die Mediothek. Auf die Schülerfrage „Machen Sie das beruflich?“ musste Brinkkötter schmunzeln: „Ich bin Schulleiter in Ahlen und das ist mein Hobby. Andere gehen laufen oder Fußballspielen und ich sitze eben gerne in Archiven und forsche.“

Auswanderer

Bei seinen Forschungen muss sich der Schulleiter „oft zwingen aufzuhören“. Aktuell hat Brinkkötter fast 500 vermutlich ausgewandete Personen aus Emsdetten ermittelt und davon 311 Personen mit Spuren in den USA gefunden. Die im Internet öffentlich zugängige Liste elektrisierte die Schüler: „War da Ascheberg dabei?“ fragt Tim A. und Brinkkötter zeigte auf insgesamt fünf Einträge. Ab 1833 lassen sich Auswanderer aus Emsdetten nachweisen, am 11. Dezember 1833 wanderte Bernhard Herman Joseph Middelhof mit dem Schiff „Leontime“ über Bremen nach Baltimore aus. Die früheste Familie aus Emsdetten ist die von Joan Gerard Henric Beike, sie wanderte 1837 aus, ebenfalls über Bremen mit dem Schiff nach Baltimore. Es gab auch Kinder, die ausgewandert sind, z. B. Bernhard August Winter aus Emsdetten ist am 21.07.1854 mit 17 Jahren in die USA ausgewandert, sein Ziel: Louisville, Kentucky.

Josephina Leugers fuhr damals mit dem Schnelldampfer „Werra“, damals mit 132 Metern Länge und über 1000 Passagieren eines der modernsten ihrer Art, in die neue Welt. Die Fahrt dauerte fünf ganze Tage, mit dem Segelschiff hätte sie damals bis zu zehn Wochen benötigt. Ein Flug von Frankfurt nach New York dauert heute neun Stunden.

Schülermeinung:
„Ich fand den Vortrag sehr gut und ich fand es interessant, etwas über die Auswanderer, die von Emsdetten nach Amerika ausgewandert sind, zu erfahren. Herr Brinkkötter hat das Thema sehr gut vorgestellt und ist auch nochmal auf Details eingegangen, zum Beispiel, als er die Passagierlisten genau erklärt hat. Der Vortrag enthielt sehr viele Informationen über unsere und vielleicht auch meine Vorfahren. Es war interessant, sich vorzustellen, dass auch vielleicht Vorfahren meiner Familie nach Amerika ausgewandert sind. Es ist beeindruckend, dass Herr Brinkkötter so viel Zeit in dieses Hobby investiert. Alles in einem fand ich den Vortrag sehr interessant und ich würde mir auch nochmal einen Vortrag von ihm anhören.“
Tim A.

Informationen/Nachfrage:
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Buchempfehlung:
Brinkmann, Michael: Vom Münsterland in die Neue Welt, Detmold 2012.

Recherchemöglichkeiten im Internet:
Familysearch
Ancestry

Das Thema Auswanderung im Geschichtswettbewerb:
Zum Thema Auswanderung hat das Gymnasium Martinum in der Vergangenheit mit drei Beiträgen am Geschichtswettbewerb des Deutschen Bundespräsidenten teilgenommen.

Die Schülerarbeiten wurden von den Oberstufenschülerinnen Anna Wefers (2003), Ann-Katrin Heitjans (2003) und Lea Steidl (2007) angefertigt. Betreut wurden die Schülerinnen von ehemaligen Geschichtslehrern Udo Scheideler und Manfred Tychy.

Auch in diesem Jahr beteiligt sich das Martinum am Geschichtswettbewerb, wie wir an dieser Stelle (11. September 2016) berichteten.

Bei Interesse können die drei Arbeiten zur Auswanderung im Stadtarchiv Emsdetten eingesehen werden, die Stadtarchivarin Frau Niethmann ist zu erreichen unter:

02572 / 92 21 13 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!